Zentralamerika – Zeit und Wunsch liegen weit auseinander.

Wir sind nun seit ca. 11 Monaten auf der Reise nach Südamerika und grade in den letzten Wochen haben wir so einiges erlebt was uns sprachlos macht.

In Guatemala waren wir ja bei den Mayafamilien, in El Salvador fuhren wir am Strand Motorrad und in Honduras erkundeten wir das Hinterland von Tegucicalpa. In Nicaragua hinderte uns ein Erdbeben am Vorabend daran den Vulkan Motombambo zu besteigen, in Costa Rica haben wir in einer kleinen Berghütte auf 2000m Höhe die Abkühlung zu der Hitze im Rest des grünen Landes genossen und in Panama warteten wir darauf die Fähre nach Kolumbien nehmen zu können.

Wir haben Zentralamerika in ungefähr 7 Wochen bereist. Ein wenig schnell für meinen Geschmack, allerdings war uns von Beginn an klar, dass wir uns nicht wirklich Zeit nehmen können, da die Gefahr bestand, dass die Fähre ihren Betrieb einstellt bevor wir dort eintreffen und außerdem sagten wir uns immer wieder, dass wir die verbleibende Zeit in Süd,- und nicht in Zentralamerika verbringen wollten.

Seit November letzen Jahres gibt es eine Fährverbindung zwischen Panama und Kolumbien, die die „Stahlratte“ entbehrlich macht. Da wir nicht grade Seefest sind ist dieser Umstand gut für unsere Mägen und gut für unseren Geldbeutel. Es war also ziemlich wichtig, Panama zu einem Zeitpunkt zu erreichen, an dem die Fähre auch tatsächlich noch läuft.

Bis dorthin hiess es aber nach unserer Zeit in Guatemala erstmal noch El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica zu durchqueren.

Oh war das schwierig zu entscheiden, welche Straße wir nach El Salvador hinein nehmen.

Ich hatte als wir noch in Deutschland waren eine Reportage über die Gang-Aktivitäten in El Salvador, sowie in Honduras gelesen und von Beginn an eigentlich ziemlich Schiss diese beiden Länder zu bereisen. Da war von den höchsten Kriminalitätsraten weltweit zu hören, von durchschnittlich 16 Morden am Tag und Vergewaltigungen. Aber es hilf nichts…wir mussten durch diese Länder, wenn wir weiter wollten. Die Einreise nach El Salvador gestaltete sich wie üblich an den Grenzen – nicht schwierig, aber vor allem Zeitaufwendig. Und ja, JEDE Granze hat uns mindestens 2 Stunden in sengender Hitze gekostet. Und ja- es laufen Hühner und Kühe an den Grenzen herum.

Es war trotz verlockend klingender Einladungen von Facebook-Bekannten aus San Salvador für uns klar, dass wir diese Stadt meiden wollten, so dass wir uns auf dem Weg zum Strand machten. Wir hörten, in El Salvador könne man gut mit dem Motorrad am Strand entlang fahren. Mit einer Küstenlänge von nur knapp 300km hätten wir in El Salvador eigentlich an einem Tag ein- und auch wieder ausreisen können. Nach unserer Zeit jedoch in Guatemala freuten wir uns nun wieder auf ein bisschen Strand.

El Salvador ist wirklich ein sehr armes Land. Es war ein komisches Gefühl, an so vielen Wellblechhütten vorbei zu fahren. Sie stehen einfach am Straßenrand, davor laufen Hühner herum und Kinder spielen in verdreckter Kleidung. Die Straße ist gut asphaltiert, aber alles was sich neben der Hauptverkehrsader des Landes befindet ist staubig und sandig. Verkauft einer aus dem Dorf Bananen, tun es auch alle Nachbarn. Wir fahren an unzähligen Mango,-und Bananenständen vorbei. Hier sehen wir auch das erste Mal, dass Leguane (lebend, am Stock festgebunden) verkauft werden. Wie wir später herausfinden, werden sie hier gegessen. Die Armut dieses Landes ist nicht zu übersehen und stimmt uns nachdenklich. Es ist komisch an diesen Behausungen vorbei zu fahren, eine Straße rechts ein zu biegen und anschließend in einem netten Hostel am Strand unter zu kommen. Täglich erfahren wir in Zentralamerika die Gegensätze des Lebens…reich und arm..bevorzugt und kämpfend. Wir sind sehr dankbar, dass wir jede Nacht eine sichere Unterkunft finden. Diese Unterkunft war jedoch nicht das gesuchte Hostel „Tortuga Verde“…dies befand sich weitere 100km an der Küste. Also am nächsten Tag zum richtigen „Tortuga Verde“ um die Strandtauglichkeit unserer Motorräder zu testen. Stellt euch eine richtig schöne von Palmen umsäumte Hotelanlage vor…hinter den Hütten befindet sich ein Pool, dahinter ein Pelikan, dem sie die Flügel abgeschnitten haben (sie erzählten uns, er sei verletzt gefunden worden, aber das glauben wir nicht) um die Touristen zu bespaßen, in seinem kleinen Gehege, dahinter ein Restaurant und hinter den letzten Hängematten ist der Strand. Wir also mit unseren Motorrädern am Pool vorbei und durchs Restaurant und ab auf den Strand. Was ein Spaß.

Wenn ich an Zentralamerika zurück denke, denke ich an erster Linie an die hohen Temperaturen. Man war das heiß. Und grün! Wir waren so richtig in den Tropen. In Honduras an der Grenze liefen Kühe und Hühner herum. Bei denen kümmerte sich jedenfalls niemand um eine eventuell illegale Einreise. Wir jedoch konnten erst nach endlosen 5 Stunden Wartezeit nach Honduras einreisen.

Wir haben keine Ahnung warum das sooo lange dauert (und sooo viele Kopien unserer Unterlagen erforderlich sind) es war auch nicht wirklich nachvollziehbar, aber so war es eben. Wir hatten jedenfalls nette Gesellschaft; ein Facebook-Bekannter hatte uns einen Schlafplatz in Tegucicalpa angeboten und holte uns sogar von der Grenze ab. Der Arme…denn auch Larry musste 5 Stunden warten.

Wir blieben eine Woche bei ihm in Tegucicalpa. Nutzten die Zeit um uns aus zu ruhen, am Computer zu sitzen oder zu skypen. Larry arbeitet bei der amerikanischen Botschaft und ist dementsprechend eine wichtige (also reiche) Person in einem von Kriminalität geplagten Land. Jedes etwas teurere Auto hat komplett verdunkelte Fenster, damit niemand hineinsehen kann. Befremdlich, wenn man abbiegt, Blickkontakt zum entgegenkommenden Fahrer sucht, aber nichts erkennen kann. Jedes Fenster, jedenfalls in Larrys Haus, jede Tür war mit dicken Stahlgittern gesichert. Der asphaltierte Garten war mit einer drei Meter hohen Mauer umsäumt. Wir kamen uns vor wie im Gefängnis, hatten aber eine wirklich nette Zeit mit ihm und seiner Familie. Er stellte uns seinen Freunden vor, und ich weiss nicht, ob ich so mitleiderregend ausgesehen habe, oder sie mir einfach nur etwas gutes tun wollte…Judy schenkte mir eine Behandlung bei der Maniküre und einen neuen Haarschnitt. Hach, war das nett, einfach mal allein mit ner anderen Frau unterwegs zu sein. Sehr interessant war auch zu beobachten, wie die Frauen sich hier kleiden und geben. Der Großteil der Frauen legt Wert auf hochhackige Schuhe und enge Kleidung, sie sehen stets aus, als würden sie auf eine Party gehen; aber auch ein Besuch beim Friseur, nur um sich die Haare föhnen zu lassen ist nichts ungewöhnliches. Wir waren auch überrascht, wie viele von unseren neuen Bekannten aus der Bar, die wir fast täglich mit Larry besuchten, hier englisch sprechen und wie viele dicke Motorräder hier rumfahren. In Tegucicalpa jedenfalls merkte man nicht wirklich die Armut. Wir unternahmen eine wirklich tolle Motorradtour in die Landschaft von Honduras und sahen das wirkliche Honduras mit Hilfe unserer neuen Freunde. Wir fühlten uns sicher und waren beeindruckt von diesem schönen und grünen Land. Wir fuhren mit Walli, Larry und Judy zu einem Wasserfall und anschließend zu einem See um Fisch zu essen. Ich behaupte heute noch: „Das war der beste, größte und günstigste Fisch, den ich je gegessen habe.“ Dazu frittierte Platanos (Kochbananen)- der Hammer und viel besser als Pommes.

Nicaragua durchfuhren wir in ca. 3 Tagen. Esteli als erster Stop, Managua und unterm See entlang wieder raus. Die Gegenden, die wir in Nicaragua gesehen haben, waren größtenteils braun und staubig…nicht sehr beeindruckend. Allerdings waren die Preise unheimlich ansprechend. Ein Gericht bestehend aus Hühnchen und Reis für ca. 2 €, ein Hostelzimmer mit Doppelbett und eigenem Bad für 10-15€. Naja, es war jedenfalls schade, die wirklich schöne Landschaft von Nicaragua (die es ganz bestimmt gibt) nicht gefunden zu haben. Der Vulkan Momotombo sollte der erste Vulkan auf unserer Reise sein, den wir besteigen wollten..aufgrund eines Erdbebens am Abend zuvor blieb uns dies jedoch verwehrt und das einzige, was wir unternehmen konnten, war dieses Foto.

Die drei alkoholisierten Männer, die während dieses Fotos um unsere Motorräder herrumschlichen und völlig unverständliches Spanisch sprachen, aber ständig unsere Tätowierungen anfassen wollten, haben wir nicht fotografiert.

Es kam uns doch ein wenig blöd vor, so schnell mit Nicaragua „fertig“ zu sein, und so beabsichtigten wir, der Einladung eines Pastors in sein Dorf zu folgen. Er hatte vor mit uns die Insel  Ometepe zu besuchen, um ein Hilfsprojekt für Kinder zu besuchen. Wir durchfuhren dieses miniwinzige Dorf, welches ungefähr 5 Kirchen hatte, aber niemand wollte den gesuchten Pastor kennen. Drei Stunden fuhren wir bei 40Grad im Dorf hin und her, wieder raus, weiter, zurück – wir fanden ihn nicht. Frustriert gaben wir auf und akzeptierten, dass es wohl nicht sein sollte. Am nächsten Tag verließen wir das Land.

Costa Rica war noch einmal ein Tacken heißer als dass, was wir bisher hinter uns hatten.

Es ist so heiß, dass eigentlich nur Fahren geht. Stehenbleiben macht Mirko jetzt nicht so viel aus- ich leide. Mein Kopf ist rot, ich schwitze wie ein Tier und bewegen mag ich mich nicht so wirklich.

Es ist wirklich anstrengend und die kleinsten Anstrengungen sind zu viel. Dazu das tägliche Fahrpensum (wir haben ja keine Zeit- müssen die Fähre erreichen) drückt ein wenig auf meine Stimmung. Ich kann das auch nicht so gut unterdrücken, und so bin ich echt froh, als wir auf die Empfehlung (und Einladung) eines Freundes aus den Staaten das „CostaRicaJoga&Spa“ in Nosara aufsuchen. Selbst die 40km Dirtstrecke zu diesem wundervollen Ort lassen sich ertragen. Kurz davor treffen wir noch unseren australischen Freund Dave wieder. Wir hatten ihn zu Weihnachten in Mexiko kennengelernt und ab heute reisen wir für eine Zeit wieder zu dritt.

Wir werden vom Joga&Spa eingeladen, können zwei Nächte wirklich sehr luxoriös übernachten und geniessen die Dschungelatmosphäre aus dem Pool heraus. Es war dieser Ort, an dem wir das erste Mal einen Brüllaffen nicht nur hören, sondern auch deutlich sehen konnten. Vom Frühstückstisch aus, liegend in der Hängematte. Das Leben ist toll!

Einer dieser Tage verbrachten wir mit Dave ein bisschen in der Gegend herum zu fahren. Auf diesem Ausflug waren auf der ganz normalen Straße mal eben zwei Flüsse zu überqueren. Gewöhnungsbedürftig, aber spaßig. Wir fuhren ein paar Mal hin und her, eine wundervolle Abkühlung noch dazu, bevor es dann zum Strand ging. Die Temperaturen hier sind soo hoch, dass wir von unserem Schattenplatz aus zum Wasser rennen mussten, so heiß ist der Sand. Unmöglich, langsam drüber zu laufen. Und dann, angekommen am Wasser denkt man „Jetzt ins kühle Nass“ – nix da. Nass ja, kühl nein. Das Meer ist wärmer als das Wasser in der Dusche. Wir verstehen hier jedenfalls, warum es kein heißes Wasser in den Duschen gibt!- Es braucht einfach keiner. Es ist einfach nicht erforderlich. Durch die Hitze ging es Richtung San Jose, vorbei an einer deutschen Bäkerei. Hmmm..ich hab den Käsekuchen schon sehr genossen und auch die Tatsache mal deutsch reden zu können. Wir wären gerne länger geblieben…aber die Fähre…und außerdem erwartete uns  Touratech Costa Rica – dort erwarteten wir ein Päckchen mit dem Touratech-Fahrwerk zum Einbau in Mirkos Motorrad. Der Verkehr in San Jose war verrückt. Hier ist das Leben eines Motorradfahrers nichts wert. Die Autos fahren einfach wie sie wollen. Wenn sie merken, dass es ein wenig eng wird, wird die Hand rausgestreckt (als verlängerter Blinker) und dann wird einfach gefahren. Mexiko City war nichts dagegen; aber wir mussten schließlich einmal durch die ganze Stadt um zu unserer Übernachtungsstelle zu kommen. Wieder ein Facebook-Bekannter hatte uns seine Berghütte zur Verfügung gestellt. Welch ein Genuss auf 2000m Höhe der Hitze der Stadt zu entkommen.

 

Jetzt haben wir nur noch Panama vor uns…dann sind wir endlich bei der Fähre. Vom Grenzübergang bis nach Panama City, wo wir bei Alison im Penthouse übernachten konnten, führt eigentlich nur der Panamerica Highway durchs Land. Unspektakuläre Landschaft- teilweise grottenschlechte Straße (sollte das wirklich die PanAm sein??) ansonsten für uns ziemlich langweilig. Wir wissen, wir müssten ins Hinterland hinein…all die schönen Ecken vom Janusch-Land liegen definitiv nicht an der Panamerikaner. Aber wie gesagt…es galt die Fähre zu buchen. Wir schafften es rechtzeitig Anfang März in Panama zu sein und hörten der Fährbetrieb wird erst wieder Ende April eingestellt (warum jemand eine Fähre kauft, mit dem Ziel Güter und Personen zu transportieren, aber dann in Panama kein entsprechender Mix-Anlageplatz vorhanden ist, bleibt uns ein Rätsel). Ticket wurde für Montag gebucht, entgegen der Anweisung um 8h morgens am Fährhafen dort zu sein, entschieden wir uns ganz nach lateinamerikanischer Manier dafür, dass 11h reichen würde. Das Einsammeln unserer Kopien begann um 13h und um 16:30h informierte man uns, dass die Fähre aufgrund des starken Windes nicht ablegen könne und wir bitte am Mittwoch, um 8h erneut erscheinen sollten.

Gut, dass wir Alison hatten bei der wir schlafen konnten – ärgerlich die 80km zurück nach Panama City zu fahren um Mittwochs zu erfahren, die dort ausharrenden Menschen, bekamen kostenfrei eine Kabine zur Verfügung gestellt….ok.

Die Fähre legte tatsächlich am besagten Mittwoch ab. Wir waren wieder um 11h da…Kopien einsammeln begann um14h…dann Inspektion der Motorräder ab 16h…und das entgültige Einladen dann ab 18h. Die haben jedenfalls Zeit. Lustig ist auch vier Kopien abgeben zu müssen (!!!) um dann drei Stunden später eine wieder zurück zu bekommen. Aber ok- wie sie eben möchten.

Nach 18 Stunden Fährfahrt (gut, dass wir zuvor Reisetabletten gekauft hatten [und trotzdem war es kein Spaß]) kamen wir heil und müde in Kolumbien, Kontinent Südamerika an.

Schlusswort: Guatemala hat uns wohl am meisten zum Nachdenken gebracht…wahrscheinlich weil wir dort Gelegenheit hatten, mitten unter den Menschen zu leben, aber es ist eigentlich egal, in welchem Land wir waren…

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen hier glücklich sind.

Es ist egal was ihnen gehört…was sie besitzen…es ist egal wie klein das Haus ist oder wie viel sie verdienen…sie teilen dass was sie haben, mit ihrer Familie und ihren Freunden und sind stolz darauf, abgeben zu können. Wir sind dankbar, dass wir Freunde sein durften und Freunde finden konnten.

 

 

 

2 Gedanken zu „Zentralamerika – Zeit und Wunsch liegen weit auseinander.

  • 25. April 2015 um 17:46
    Permalink

    Hallo Ihr beiden Weltenbummler!
    Klasse Bericht und tolle Videos von Euch.
    Ich beneide Euch um Eure Erfahrungen (auch wörtlich zu nehmen) und wünsche Euch weiterhin eine gute Fahrt.
    Gott segne Euch!

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