Mary´s Farm…

Haben wir eigentlich schon erwähnt, wie atemberaubend die kanadische Gastfreundschaft ist?–

Nein?—dann hier mal ein kleiner Einblick:

Noch in Calgary haben wir Dave kennengelernt. Wir standen vor Blackfood Motorsports, Mirko war damit beschäftigt, die neuen Hinterreifen von Heidenau auf zu ziehen, da sprach uns Dave an…es begann wie üblich mit einem kleinen Smalltalk, ziemlich schnell merkten wir aber,dass wir auf einer Wellenlänge sind. Nach der Reifen-wechsel-Aktion wollten Paul, Mirko und ich jedenfalls nochmals aufs Stempede um das wirkliche Rodeo zu sehen und Dave, der als Soundtechniker auf dem Stempede arbeitet, bot uns kurzerhand an, unsere Motorräder bei Chip, einem guten Freund von ihm, der in der Nähe des Festplatzes wohnt, parken zu können. Großartig. Die entsprechenden Bilder findet ihr in Pauls Bericht, den wir zuletzt gepostet haben. Unsere Motorräder waren dort jedenfalls super sicher untergebracht, wir konnten uns umziehen und in luftig, lockerer Kleidung das Stempede besuchen.

Nach dem Stempede fragte mich Dave wie es mir gefallen habe…ich war noch so hin und her gerissen von diesem ganzen Rodeo-Pferde-Feeling, dass ich nur mit „i would like to have a horse and i would like to be a cowgirl“ antworten konnte. Dave lachte herzlich und meinte, dass sei kein Problem, seine Mutter habe eine Pferdefarm und wir könnten dort ein paar Tage verbringen. Erst war es mir ein bisschen unangenehm…ich konnte das garnicht wechseln…wir kannten uns doch erst zwei Stunden oder so…aber gesagt – getan. Einen Tag später erreichten wir Mary´s Farm. Mary, Daves Mutter ist ein wunderbarer Mensch und wir haben dort eine wunderbare Zeit verbracht. Wir haben uns direkt willkommen gefühlt…kein Gefühl der Befremdlichkeit oder des Störens…Mary und Al haben uns so herzlich aufgenommen, das glaubt man garnicht. Meine übliche Zurückhaltung, es würde auch völlig in Ordnung sein, wenn wir unser Zelt im Garten aufbauen könnten (schließlich zelten wir gerne und wollen nicht unnötig zur Last fallen, was Betten machen oder so angeht) wurde direkt beiseite geschoben. Nein! Mary meinte wir werden auf unserer Reise noch oft genug zelten und sie habe schließlich genug freie Betten. Ach,was war das für ein gemütliches Bett. Diese Boxspringbetten hier in Nordamerika sind ein Traum für meinen Rücken. Ich liebe es.

Mary und Al haben ca.15 Pferde..allerdings kann man nur zwei von denen reiten. Die anderen sind nicht trainiert. Die beiden lieben Pferde und Hühner. Mary hat ca. 140 Hühner, 70-80 verschiedene Sorten. Benny, Bordercollie und echter Gefährte läuft da rum, 16 Wochen alte Kätzchen und 4 Wochen alte Kätzchen, die Dave und Mirko davor gerettet haben,in einem ca. 10cm breiten Spalt in der Scheune von der Sonne gebraten zu werden. Mama Katze hatte die Kätzchen dummerweise in einem 1,50 hohen und 10cm breiten Spalt in der Wand getragen. Warum auch immer…na jedenfalls war es schweineheiss und sie mussten daraus…für Mama Katze aber ein unmögliches Unterfangen. So, Kätzchen gerettet und nun hiess es, sie dürften nicht wild werden, müssen an die Menschenhand gewöhnt werden, damit sie irgendwann auch verkauft werden können. Na dafür sind wir ja die Richtigen. Wir stellten uns also gerne zur Verfügung. Sowie für alles andere auch. Wir haben es unheimlich genossen, dabei zu helfen die Pferde zu füttern oder die Katzen zu streicheln. Ich muss schon sagen, selbst dabei zu helfen die Wohnung zu putzen war ein Genuss für mich 😉 Klar, ist reisen auch anstrengend (für mich als „Neuling“ jedenfalls, der sich ständig konzentrieren muss und für den fast jeden Tag neue Situationen zu meistern sind), aber körperliche Anstrengung im Sinne von Farmarbeit ist einfach was anderes. So haben wir selbst die Heuernte genossen. Ursprünglich wollten wir ja nur 1-2 Nächte bei Mary verbringen, wir hatten allerdings so viel Spaß gemeinsam und haben die Gesellschaft derart genossen (Mary hat mich ein bisschen an meine Mama erinnert) dass wir überhaupt kein Problem damit hatten, länger bleiben „zu müssen“ um bei der Heuernte zu helfen. Al arbeitet während der Woche bei einer Ölfirma und ist nur von Donnerstag abend bis Sonntag zu Hause….dass heisst, dass Mary das was ansteht, allein machen muss. Das ist trotz ihrer 62 Jahre auch nicht so das Problem, allerdings galt es in dieser Woche, das Heu ein zu fahren. Das heisst, Norman, der Nachbar mit riesen Kühen musste es erst mit seiner Maschine schneiden…es musste trocknen um dann in Ballen verarbeitet zu werden. Mary war darauf eingestellt, Montag das Heu einholen zu können, aber da war es noch zu feucht. Und wenn feuchtes Heu gepresst wird (ich konnte es erst nicht glauben, konnte mich aber später davon überzeugen) ist es gefährlich, dass Heu in diesem Zustand in der Scheune auf zu stapeln. Feuchtes Heu wird nämlich bei warmen, heissen Aussentemperaturen derart heiß im Ballen, dass es sein kann, dass es aufgrund der sich ansammelnden Hitze Feuer fängt. Naja, das Heu war aber erst am Dienstag soweit, dass es vom Feld abtransportiert werden konnte…und da Mary so ein Engel zu uns war, war es für uns selbstverständlich, so lange zu bleiben, bis wir helfen konnten. Wir hatten eigentlich vor, zum Banff und Jasper Nationalpark zu fahren…wollten ja auch irgendwie nicht stören…aber da in Banff eh ein Waldbrand wütete und wir wirklich nicht störten, war das auch für niemanden von uns ein Problem. Also es war Montag…Heu war noch nicht fertig…also haben wir 5 Stunden damit verbracht die Scheune auf zu räumen und in gewisser Weise zu putzen. Putzen in einer Scheune heisst, wir haben ca. 200 m² Scheunenboden von ca. 15cm hohen in 2 Jahren festgetreteten Stroh befreit. Es hat wirklich Spaß gemacht. Schon alleine der Gedanke, wie sehr Al sich darüber freuen würde hat uns angetrieben. Am nächsten Tag rief Norman an, er habe das Heu fertig, also hiess es zu dritt, Mary, Mirko und ich aufs Feld. Man!-Das war wirklich harte Arbeit. Mary erzählte, in manchen Jahren habe sie das schon alleine gemacht. Hammer. All meinen Respekt, denn das ist eine richtig, richtig harte Arbeit. Es waren über 30 Grad…auf dem Feld gefühlte 40…das Heu piekste beim jeden Anfassen im Arm…Ich hätte Norman glauben sollen,als er sagte ich solle lieber ein langärmliges Shirt an ziehen…2ar-marrys-11Aber man, es war doch soooo heiß…es ging wirklich nicht…war schon schlimm, Jeans und Wanderschuhe zu tragen. Naja, wir schafften an diesem Tag jedenfalls 3 volle Ladungen des Anhängers – zu dritt- vom Feld auf den Anhänger und vom Anhänger in die Scheune. 2ar-marrys-9Nach 4 Stunden konnten wir nicht mehr…auch die dicke Regenwolke die zu sehen war, konnte Mary nicht dazu bringen eine vierte Fuhre zu versuchen, also entschied sie, dass nun Feierabend gemacht wird. Am nächsten Tag,es regnete glücklicherweise nicht (denn dass würde heissen, dass Heu könne nicht verfüttert werden) meldete sich Norman, derjeniege, der mit seiner Maschine das Heu bereits geschnitten und verpackt hatte und teilte mit,dass er heute Zeit habe, die Heuballen mit seinem Wagen ein zu holen. Ach wie wunderbar. Wir mussten bei dieser Hitze also nicht aufs Feld um die Heuballen ein zu holen…nur in der Scheune entsprechend stapeln. Naja, nur ist gut…je mehr Heuballen aufgestapelt wurden, desto höher wurde es natürlich und ich kann sagen, da oben sind nicht 30 grad sondern mindestens 50 😉 Wie auch immer, wir haben richtig was geschafft und waren stolz auf uns. Mary, falls du das liest: all meinen Respekt vor dieser Arbeit…und sollte sich irgendwann nochmal die Gelegenheit ergeben, dass wir wieder helfen können, werden wir das tun. Nach diesen 3 Tagen Schwerstarbeit spürten wir unsere Knochen aber wirklich, also blieben wir noch ein paar Tage. Samstag lud ein Nachbar dann ein, ein Horse-Trail-Wagon-Ride zu unternehmen. Das heisst, Tess und Sunny satteln, in den Trailer und ein paar Kilometer weiter zum Nachbarn. Dort warteten einige Leute, 2 Pferdewagen und einige Reiter. Es ging ca. 5 Kilometer zum nächsten Nachbarn und wieder zurück, anschließend Hamburger. Es war ein wunderbarer Tag und für diesen Tag galt mein Respekt meinem Mann. Ich hatte die Tage davor natürlich zur Genüge genutzt gemeinsam mit Mary Tess und Sunny zu reiten. Tess war mein Kumpel,Mary hat Sunny geritten. Mirko hatte immer irgend was anderes zu tun wie Gravel Rides mit den Jungs..2ar-marrys-7 2ar-marrys-2oder wollte nicht, so dass er Sunny oder Tess bis dato nicht geritten ist. Das letzte Mal ritt er in Pinedale bei Dexter vor ein paar Wochen. An diesem Tag stand also sein insgesamt 3. Mal auf einem Pferd an und ich muss sagen: super! – sieht er nicht nur aus, mit seinem karierten Hemd, Jeans und seinem Cowboyhut, 2ar-marrys-15er hat den Weg auch super gemeistert. Und dabei ist Tess nicht ganz so einfach…er wurde insgesamt 5 Monate trainiert, laaange von Mary und Al nicht geritten und erst von mir die Woche davor ein paarmal…dass hat zumindest ganz gut geklappt, aber wir, oder ich sind definitiv nicht geübt „western“ zu reiten…diese Pferde reagieren auf jede kleine Bewegung, auf jede Kopfbewegung, auf jede Schenkelbewegung. Und wenn du nicht weisst, wie die trainiert sind, und welcher Knopf du für das und das drücken musst, ist es garnicht so einfach, so ein Pferd zu händeln. Rückwärtsgehen mit einem Pferd ist cool, drehen um die eigene Achse auch – aber nur, wenns auch gewollt ist 😉

Naja, unabhängig davon…Es war jedenfalls ein wunderbarer Tag, wie auch all die anderen Tage bei Mary….und irgendwie, da auch sie die Zeit mit uns genossen hat, entschieden wir zu dritt einstimmig, wir müssten noch einen Tag länger bleiben. Noch einmal reiten wollte ich. Tess und ich waren ja schon fast Kumpels…immer wenn ich zu den Pferden kam,machte er Geräusche, die gemeinsamen Ausritte machten Spaß und wir lernten uns von Tag zu Tag immer besser kennen…hach, war das schön. Also, Mary wollte an diesem Tag jedenfalls nicht…also musste Mirko überredet werden…komm bitte eine kleine Runde mit mir mit 😉 Ok, er war so nett…außerdem war er ja jetzt mit Sunny befreundet. Er ritt Sunny, ich Tess. Das einzige Problem war, dass Sunny zwischen den beiden Pferden der Boss war und nicht Tess und das Mirko aber Sunny ritt. Mirko führte mit Sunny wie gesagt eine freundschaftliche Beziehung und dass heisst, wenn Sunny gerne frisches, grünes Gras essen, oder in die eine Richtung wollte, dann hatte er dafür vollstes Verständnis 😉 Naja, ich gab mein Bestes, aber auch ich wusste nicht wirklich, wie ich Tess an diesem Tag dazu bringen konnte (es hatte aber sonst doch so gut geklappt) zu machen,was ich wollte. Geeendet ist der Ritt, dass er sich vor einer Katze erschrocken hatte, die von irgendwas runtergesprungen ist, ich den Steigbügel verloren hatte und, ich weiss wirklich nicht wie, mich auf beiden Beinen auf dem Boden stehend,wiedergefunden hab. Tess hat die Gelegenheit erstmal genutzt um ab zu hauen…oh man…hoffentlich läuft er nicht richtig weg oder tritt auf die Zügel und verletzt sich. Muss wie  bei Hunden sein,dachte ich mir, ruhig und bestimmt…und nach kurzer Zeit hatte ich ihn (Tess ist übrigens die Abkürzung von Tassmanian Devil).  Al kam zur Hilfe. Wir ritten noch ein bisschen gemeinsam und so ging der letzte Abend (mit ein bisschen Rückenschmerzen) zu Ende.

Es war eine wundervolle Zeit und ich bin Dave, Mary und Al sehr dankbar dafür, dass ich sie kennenlernen durfte und dass wir die Zeit dort verbringen konnten. Mary- du bist ein Engel! Es war schön, dich kennen zu lernen.

 

Liebe Grüße Claudia

 

 

2 Gedanken zu „Mary´s Farm…

  • 13. August 2014 um 07:46
    Permalink

    Vielen Dank, Claudia,
    für Deinen intensiven bericht über die Gastfreundschaft, die Ihr erfahren habt.
    Und die ganze Zeit auf dieser Farm, die detaillierte Beschreibung Eures Aufenthaltes, Eurer Gastgeberin!

    Mir geht es auch so wie Tom: möchte mir da ein Stück davon abschneiden, selbst selbstverständlicher
    Menschen einladen, denen ich begegne.

    Euch weiterhin eine gute Reise
    und alles Liebe aus der Schweiz
    Martha

  • 13. August 2014 um 06:54
    Permalink

    Liebe Claudia, lieber Mirko !

    …mein lieber Mann, mit jeder Faser meines körpers empfinde ich DAS mit was ihr da erlebt.
    Nicht nur, daß ihr tagtäglich mit Landschaften konfrontiert werdet die uns Mitteleuropäern total fremd sind, nein, gerade das Thema GASTFREUNDSCHAFT begegnet euch immer wieder. Und SO intensiv wie Du es in Deinem letzten Bericht beschrieben hast, daß es uns hier in Deutschland beschämen müßte….

    Wir, die wir alles das aufsaugen was ihr hier schreibt, sollten uns das für die nächsten Begegnungen mit Fremden, Reisenden, ausländischen Mitbürgern…mitnehmen und ein Stück weit DAS wiedergeben was ihr bereits bis jetzt an Gastfreundschaft erfahren habt.

    Ganz liebe Grüsse aus Aachen und weiterhin gute Fahrt und gutes Gelingen für dieses Riesen-Abenteuer.

    Tom

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