HWY 101 is calling – Goodbye Seattle.

Wir verlassen Seattle, Seattle ist in jedem Fall einen Besuch wert. Pike Place Market, Downtown, dem ersten Starbucks der Welt (ca 40 Minuten um nen Kaffee zu bekommen), Kaugummi überzogene Wände, Straßenmusiker, Graffiti… alles was bunt und anders ist findet sich hier. Der Pike Place Market ist ein berühmter Fischmarkt, aber auch Blumen, Obst und allerhand anderer Dinge bekommt man hier. Direkt am Haupteingang ist der wohl berühmteste Fischstand überhaupt. Ich habe vor ein Paar Jahren ein Buch über Mitarbeiterführung und Marketing im Vertriebsbereich gelesen (Wenn Autos fliegen könnten) und dieses Buch lehnt sich an genau diesen Fischstand an, hier werden die Fische durch die Gegendgeschmissen und die Jungs vom Pike Place Fishmarket haben sichtlich Spaß bei der Arbeit, was einer der Gründe für den Erfolg dieses Ladens darstellt.  Seattle fühlt sich cool und lässig an, aber uns treibt es dennoch raus aus der Stadt, hin zum Ozean. Doch zuvor geht es noch auf Erkundungs-/ Abschieds-tour mit Don und Debie. Don auf seiner 1190 KTM und Debie mit Ihrer 650BMW, Dave und wir. Es ist eine schöne 5 stündige Runde mit Offroadeinlagen und tollen Aussichtspunkten. Das mag ich an den USA und auch Canada, es reichen ein paar Minuten und du bist raus aus der City und in mitten der Wildnis.

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Mitte August haben wir Preston, bei Seattle dann verlassen und uns auf den Weg zur Küste gemacht. Aufgrund der vielen Ratschläge, die Küstenerkundung erst an der Oregonküste und nicht bereits an der Washingtonküste zu beginnen, führte uns unser Weg von Preston aus über den Mount Rainer Nationalpark. Leider war es so nebelig, dass uns der Ausblick auf den Mount Rainer verwehrt blieb. Nichts desto trotz genossen wir die Fahrt durch dieses riesige Waldgebiet im Giffort Pinchot Nationalforest durch gut asphaltierte, kuvige Panoramastrassen. Kurz hinter Randle fanden wir einen kleinen und schönen Campingplatz auf dem wir uns wie im Dschungel gefühlt haben. Ein Gang auf die dort vorhandene Toillette hat uns allerdings tränentreibend daran erinnert, dass wir hier nicht die einzigen waren. Dave begleitete uns weiterhin und so entschieden wir uns zu dritt den Spirit Lake an der Nordseite des Mount Sant Helens, (einem Vulkan) an zu gucken. Beim letzten Ausbruch des Mount St.Helens in 2008 wurde eine komplette Flanke des Hügels abgetragen und all das was auf dem Hügel war, stürzte in den See und sammelte sich dort. Wie ihr auf dem Foto seht, schwimmen etliche Baumstämme auf der Seeoberfläche.

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Die Strecke an diesem Tag war wieder einmal wunderschön…große und kleine Bäume, immer wieder ein Blick auf die Hügel der umliegenden Berge, das Wetter war schön, die Straßen gut und kurvig. So fuhren wir dahin…bis wir irgendwann realisierten, dass unser Sprit nicht mehr bis zur nächsten Tankstelle reichen würde. So ziemlich im letzten Moment folgten wir dem Tip eines anderen Motorradfahrers und tankten für 5$ die Gallone. Für Deutsche Verhältnisse immer noch ok…hier war es das teuerste Benzin, was wir bis dato tankten. Ja, ja…der Tankwart weiss, dass er die einzige Versorungsmöglichkeit im Umkreis von 100Meilen darstellt. Mit halb vollem Tank konnte es also noch ein bisschen weiter gehen…es war ja erst halb fünf…so ein bissl wollten wir noch fahren. Wir entschlossen uns also gegen den Campingplatz inmitten der Wälder und für ein Weiterfahren Richtung Carson. Da wird es dann schon Campingplätze geben. Ich weiss nicht so genau, was schief gelaufen ist…aber das Ende vom Lied war, dass wir Dave wieder einmal verloren haben und um 22h immer noch keinen Campingplatz hatten. Es gab uns jemand den Tip,dass auf der anderen Seite des Columbia Rivers, somit auf der Oregon Seite ein Campingplatz sei, auf dem man frei zelten könnte. Wir fanden diesen Zeltplatz jedenfalls nicht, dafür allerdings den letzten freien Platz auf so nem hässlichen RV-Platz. Wir fielen in einen unruhigen Schlaf und machten uns am nächsten Tag auf Richtung Küste. Wir fuhren ein Stück weit den Historic Columbia River Highway, allerdings führen von hier nicht viele Wege zur Küste ohne die Autobahn. Also hiess es durch das Gewümmel von Portland. Dafür dass alle die wir trafen meinten, der Verkehr sei da so immens schrecklich, ging es eigentlich. Sobald wir allerdings sinnvoll die Autobahn verlassen konnten, wechselten wir auch auf den kleinen Highway 6 Richtung Tillamook. Dort angekommen konnten wir das Meer bereits riechen. In einem kleinen Kaffeehaus gab uns jemand den Tip, dass der Cape Lookout State Park einen wunderschönen Campingplatz haben sollte. Und so war es auch. Ein Campingplatz fast direkt am Meer…beim Einschlafen begleitete uns diesemal das Geräusch der Wellen.

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Ab hier sollte es also immer nur noch südwerts gehen. Wir fuhren tagelang den Highway 101 entlang…so ziemlich immer direkt an der Küste entlang, was uns unzählige großartige Ausblicke auf die schier endlose, kaum bewohnte Pazifikküste bescherte. Die zweispurige Straße folgt der 570 Kilometer langen (-Oregon) Küste von Astoria an der Mündung des Columbia River bis hinunter nach Brookings kurz vor Kalifornien. 70 State Parks schützen die leeren Räume zwischen Weilern und Städtchen, die selten mehr als ein paar Tausend Einwohner haben. Oregons Küste liegt über der von Kalifornien, doch damit hört die Ähnlichkeit auch schon auf. Die von Kalifornien ist schön und berühmt; Die von Oregon ist nur schön. Wunderschön, rau und naturbelassen…wir finden kleine, noch nie gesehene Quallen und bestaunen Treibholz in den unterschiedlichsten Formen. Muscheln gibt es hier nicht so viele.

Man sagt, man könne hier aufgrund der Strömung und des kalten Wassers nicht schwimmen. Die Wassertemperatur hätte mich nicht wirklich abgehalten, aber es war meistens so nebelig, dass es einfach zu unheimlich war in diese dunkle unbekannte Heimat von Haien ein zu tauchen.

Oregon schützt seine Pazifikküste seit 1913 per Gesetz vor Beton. Hier treffen sich Berge, Täler und Meer ungestört im Dunstschleier des Pazifik. Steile Vorgebirge, mit poetischen Namen wie Cape Arago, Cape Humbug oder Cape Perpetua, erheben sich über die schäumende Brandung, schroffe Felsen und Säulen stehen auf einsamen Stränden Spalier. Schickimickistrände sucht man hier vergebens…hier gibt es Fish`n Chips als Snack und nette kleine Geschäfte oder Coffeeshops.

Wir hielten oft um irgendeine Bucht zu bestaunen, manchmal sogar im 15 Minuten Takt. Am ersten Tag an der Küste fuhren wir daher wohl auch nur knapp 80 Meilen, das sind knapp 128 Kilometer.

Kurz vor Newport trafen wir Dave am vereinbarten Starbucks wieder. Wir besuchten noch ein paar Seekühe in Newport, schlenderten durch die Straßen Newports und gingen gemeinsam für unseren letzten gemeinsamen Abend einkaufen. Wir verbrachten einen gelungenen Abend mit Lagerfeuer, Folienkartoffeln und Maiskolben auf dem letzten freien Campingplatzes des Beachside State Recreation Site. Unsere Wege sollten sich nun nach 4 gemeinsamen Wochen trennen. Es war zum einen Zeit, zum anderen trieb unser Weg uns immer weiter südwärts und er wollte Nordwärts zum Horizont Unlimited Treffen in Nekasp, Kanada. Und auch wenn er für heute einen langen Weg vor sich hatte starteten wir langsam und wollten nicht so wirklich aufbrechen. Der Abschied fiel uns also allen schwer…es wurden mehrere Umarmungen ausgetauscht und wir alle drei hatten freuchte Augen. Es war eine tolle gemeinsame Zeit zu dritt. Dave ist ein besonderer Mensch und zu einem guten Freund geworden. Wir haben die Zeit mit ihm sehr genossen und sind uns sicher, dass wir uns wiedersehen werden.

Mitten am Tag also ging es weiter südwerts…nun waren wir wieder alleine. Das war gut so, aber auch komisch. Wir genossen es trotzdem wieder zu zweit zu sein und sich nur noch zu zweit absprechen zu müssen, wo man anhalten möchte. Wir schrieben ihm aber abends als wir am Sunset Bay state park angekommen waren eine Nachricht, um zu hören, ob es ihm auch gut gehe. Der Campingplatz auf dem Sunset Bay State Park war nicht ganz so schön, wie der Name verspricht…vor allem lag er nicht direkt am Wasser und hier waren mal wieder Raben, die uns morgens unsanft geweckt haben. Dafür war die Gegend drum herum jedoch wieder atemberaubend. Ein Stop nach dem anderen…eine kleine Sandwichpause am Battle Rock. Es scheint, als würde dieser Felsen steil aus dem Sandstrand wachsen und in den Ozean überfliessen. Uns beeindruckt diese Landschaft; die dunklen, großen Felsen passen so perfekt zum rauhen, oft mit Nebel überhangenden, wilden Ozean. Lässt man seinen Blick ein wenig weiter schweifen, kann man sich an sattgrüner Landschaft und bunten Blumen satt sehen. Es ist atemberaubend. Heute erreichen wir Kalifornien. Oregon ist leider schon zu Ende. Wir hätten noch tagelang hier an der Küste lang fahren können, freuen uns jetzt aber auch auf Kalifornien.

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Jetzt freuen wir uns erstmal auf die Redwoods. Wir buchen uns für zwei Nächte im Mystic Tree Campground ein und erkunden die Gegend um die Redwoods. Ich hatte mich bereits die ganze Zeit auf diese Mammutbäume gefreut und bin zutiefst beeindruckt. Vom Campingplatzbesitzer bekommen wir eine kleine Karte ausgehändigt, auf der alle sehenswerten Stellen ausgewiesen sind.

In diesem Nationalpark wachsen ca die Hälfte dieser Bäume weltweit und so ist es nicht unüblich einen dieser Riesen auch außerhalb eines scenic Drives an zu treffen. Immer wieder halten wir irgendwo an und wandern ein wenig in die Wälder dieser Riesen.

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Die mächtigen Bäume beeindrucken mit ihrem gewaltigen Volumen, den erreichten Höhen und dem großen Umfang ihrer Stämme. Ich bin dankbar, dass ich diese Bäume kennenlernen durfte. Auf einem Schild stand dann, Drive-Thru Tree klingt gut, also Zahlern wir die 3 Dollar und ab gehts, ab gehts ? Pustekuchen! nach nur 30 Metern geht es eine steile Linkskurve hoch und dann stehen wir schon vor dem Baum mit durchfahrloch, Baum, naja es ist nur noch der Stumpf des Baumes… was soll´s Foto machen und weiter.

Wie das Leben eines Reisenden jedoch so ist, verlassen wir auch diesen wundervollen Ort wieder südwerts. In Leggett wechseln wir vom Highway 101 auf den Highway 1…wir wollen trotz Nebel und kälteren Temperaturen in Küstennähe bleiben. Der erste Abschnitt des Highway 1 ist eine wundervoll kurvige Strecke…vorbei an Riesenbäumen, kleinen, uralten Häusern, Felswänden und dschungelähnlichem Gebüsch. Eine gute Entscheidung, die uns direkt zu einem der schönsten Campingplätze unserer Reise führt. Das Zelt bauen wir am Westport-Union Landing State Beach

auf. Ein Campingplatz direkt auf einer Klippe. Einer unserer Nachbarn schenkt uns einen Haufen Feuerholz und so geniessen wir das Rauschen der Wellen und das Feuer, zwei der tollsten Sachen auf dieser Erde, bevor wir mit Blick auf den Ozean einschlafen.

Der nächste Tag führt uns weiter über den Highway 1, direkt an der Küste entlang zur Bodega Bay. Wir fahren an der Küste entlang, meistens über Klippen…die Sicht auf den Ozean ist beeindruckend und immer wieder schweift unser Blick von der Fahrbahn um eine der beeindruckenden Felsformationen oder die schäumende Brandung zu bewundern. Wir fahren das erste Mal an Eukalytusbäumen vorbei, kleine, gemütlich wirkende Ortschaften, die ersten Palmen, trocken gebrannte Wiesen, Sträucher, Heidelandschaft, Hügel, Felsen, Berge. Es macht Spaß und wir fühlen uns gut. In Bodega Bay suchen wir nach einem Campingplatz. Wir entscheiden uns für den Campingplatz im Doran Regional Park. Er ist teuer, aber das ist wohl hier so in Kalifornien. Der Park befindet sich auf einer Landzunge und so schlafen wir heute wieder direkt am Strand. Das Wasser ca. 30 meter von uns entfernt.

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Hier lernen wir Benn und Leeanen und ihre Freunde kennen. Sie sind unsere direkten Zeltnachbarn. Benn ist ursprünglich aus Deutschland, aber bereits seit seiner Kindheit in Amerika. Er sieht unsere deutschen Nummernschilder und läd uns direkt zu Würstchen und Kartoffelsalat ein. Unsere nackten Füsse stecken im warmen Sand, es werden Lieder gesungen und Geschichten erzählt…Ein anderer Zeltnachbar kommt mit seinem Didgeridoo dazu…es wird ein langer und wirklich schöner Abend.

Der nächste Morgen beginnt früh…wir wollen in die ortsansässige Kirche. Auf dem Campingplatz spricht jeder über das Erdbeben, welches in der Nacht in San Francisco stattgefunden hat. Wir sind froh, dass hier von den 6.5 mw nur 1.8mw angekommen sind….sind wir doch seit wir an der Küste unterwegs sind, für das Thema Tsunami sensibilisiert. Überall stehen Schilder mit Erklärungen, wie man sich bei einem Erdbeben verhalten sollte. Der erste Punkt ist immer „Verlassen sie diesen Ort und begeben sich in höhere Gebiete“….schlecht, wenn man schläft. Nunja,wir haben nichts gemerkt, sondern haben durchgeschlafen. Gott sei Dank.

Der Besuch in der Bodega Bay Church war sehr schön. Aufgrund Mirkos Schulterverletzung (er hatte sich beim Holzhacken eine Rotatorenmanschettenruptur zugezogen. So haben wir das also nun beide..ich nach dem Unfall-er nach dem Holzhacken) kamen wir nicht dazu zu fotografieren, haben jedoch einen schönen Gottesdienst genossen und wieder die unglaubliche Gastfreundlichkeit der Amerikaner kennenlernen dürfen. Wir standen noch lange mit den Pastoren der Gemeinde (3 Pastoren, die alle pensionierte Polizisten sind) zusammen, beteten zusammen und genossen deren Gesellschaft. Einer der Pastoren hat uns einfach so 20$ für die Projekte der EBM gegeben. Ein älteres Pärchen lud uns dann zum Mittagessen ein. Wir dachten, wir würden zusammen etwas essen…sie führten uns jedoch zum besten Fish`n Chips Laden der Stadt, bezahlten und verabschiedeten sich. Unglaublich.

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Benn und Leeanen kommen aus San Francisco und hatten uns angeboten bei Ihnen unter zu kommen; so führte uns unser Weg also auf nach San Francisco.

San Francisco ist eine tolle Stadt und es gibt einiges zu berichten.

Dies jedoch im nächsten Bericht.

Also – bis demnächst

Claudia und Mirko

 

Alle Bilder zu dieser Region hier.

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